Kopfbereich

Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation

Inhalt

Wenn auch nur ein kleiner Teil der neuen Zeit! PDF Drucken E-Mail
28. September 2006

Eigentlich ein unbedeutender Blick, stieß mich zu Erkenntnis. Ich starrte unweigerlich die Zierleiste des Fensters in unseren Zugabteil an. “Grau – wie eine Grundierung1“ dachte ich, „doch mit etwas Glanz“ musste ich mir gleich selbst hinzufügen. Aus meinen Kopf entwich jedoch nicht mehr dieses GRAU, mir wurde im selben Moment bewusst das so ziemlich alle wesentlichen Elemente diese Farbe verliehen bekamen. Nicht, dass es mich störte oder ich mich angegriffen vorkam; nein, aber dennoch konnte ich mich damit nicht anfreunden. Immerhin strahlte es doch etwas Kälte, Unfreundlichkeit, ödes, langweiliges und beengendes Gefühl aus. Kein Wunder, dass es den Anschein haben könnte, als sein man Eingesperrt und der Freiheit beraubt, nicht allein wegen den unzähligen Gitterverarbeitungen in den Zwischenabteilungen, zur Gepäckverstauung oder als Festhaltemöglichkeit, was doch auch, oh welch Ironie, alles zum Zwecke der Abgrenzung, zum Festklammern oder wegpacken verschiedenster Dinge dient. Vielleicht ist genau das der Wille des Systems, um nicht näher darauf einzugehen nur noch der Anschein zu erwähnen, sie würden uns regelrecht dazu drängen, uns anzupassen. Still und heimlich gewöhnen sie uns an dieses Gefühl, oder ist es nicht für den Großteil eine Normalität? Man könnte mit den Gedanken spielen, sie bereiten uns darauf vor. Die Zeit der Kontrolle klopft an der Tür.
Der Kerl mit dem Disc – Man, der gerade auf der suche nach einem freien Platz an mir vorbeilief, brachte mich grad voll aus dem Konzept. Konnte ich doch kurze, und leise, aber auch dumpfe und rockige Klänge vernehmen. „MUSIK“ stach es mir in den Schädel und zugleich zerrte an mir die Sehnsucht danach, so hatte ich doch heute noch kein einziges Lied gehört. Wieso wohl in Zügen keine Musik gespielt wird, zumindest billige Fahrstuhlmusik, die niemanden stört und nur einfach so im Hintergrund läuft. Oder als alternative ein fucking Radio-Sender, immerhin erzielen auch Komerzige Sender einmal einen Glücksgriff in Sachen anspruchsvollen Sound. Wobei ich anfügen muss, dass davon auszugehen ist, dass die meisten damit nichts anzufangen wissen.
Aber noch bevor ich diesen Gedanken weiter ausholen konnte, erhielt ich die Antwort auf diese Fragen: Das Zeitalter der Polyphone. Im Waggon waren mittlerweile die 4er Sitzreihen mit jeweils zwei bis drei Leuten belegt. Und es begannen hier und da so manche Rucksäcke, Jacken oder Hosentaschen in den unterschiedlichsten und teilweise grässlichsten Tönen zu läuten und zu klingeln. Vereinzelt sah man eifrig tippende Daumen über kurz aufpiepsende Tasten huschen; der Körper dahinter, in einer äußerst gekrümmten Haltung versteift, schien ebenso wie der Kopf, starr den Boden zugewandt, mit gierigen Blick auf das Display der mobilen Kommunikation, versteinert so zu verharren.
Früher unterhielt man sich noch mit dem Gegenüber, man gesprächig und konnte zusammen lachen. Zur heutigen Zeit ist dies nicht mehr nötig, immerhin gibt es da irgendwo weit entfernt Leute, welche man bereits kennt und die man, Gott sei dank dem Handy, wenn einem langweilig ist kontaktieren kann, somit ist man dann wenigstens nicht mehr darauf angewiesen FREMDE MENSCHEN anzusprechen und man kann weiterhin seinen eigen Problemen und Sorgen nachkommen. WAS WILL MAN MEHR?

2003/10/11 by Schitzu

Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst  

 
< Zurück   Weiter >