| YES - Tales of topographic ocean |
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| 28. September 2006 | |
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Auf jeden Fall hatte Jon Anderson wohl nicht das Gefühl, dass "Close To The Edge" nicht zu toppen sei. Die Liner-Notes zu "Tales" beschreiben, dass er schon eine Weile auf der Suche nach einem Thema für eine "large-scale compostion" gewesen sei und dieses schliesslich in einer länglichen Fussnote des Buches "Autobiography Of A Yogi" über gewisse indische Schriften fand. Die Ideen dieser Schriften flossen dann in die musikalischen und Textentwürfe ein, die Anderson und Gitarrist Steve Howe in nächtelangen Sitzungen während der Tour entwickelten. Am Ende kam dabei eine Doppel-LP mit vier seitenlangen Sätzen heraus: "Tales From Topographic Oceans". Über das ganze Album zeigen sich "Yes" in grossartiger Form. Besonders ausgeprägt zeigt sich auf der ganzen Platte ihr Sinn für dichtest verwobene Arrangements, in denen jedes Instrument einen gleichberechtigten Platz übernimmt, um ein überaus komplexes Klangbild zu erzeugen. Steve Howe hat allerdings viel Freiheit mit der Gitarre. Neben verhältnismässig wenig Rhythmusarbeit hat er viel Zeit und Platz in komplexen, aber durchkomponierten Linien rund um und durch das gesamte Arrangement zu tänzeln. Rick Wakeman sorgt für symphonische Fülle mit viel Mellotron, aber auch dem restlichen Arsenal inklusive MiniMoog-Synthie, Klavier etc. Chris Squires Bass ist kraftvoll und knackig wie immer und verschmilzt hervorragend mit dem Gesamtarrangement, ohne das Bassregister zu vernachlässigen. Alan White spielt druckvolle Rock-Rhythmen, tummelt sich aber genauso gut sehr viel auf exotischer Percussion verschiedener Art. Einige Themen kehren übrigens in den verschiedenen Sätzen im ein oder anderen Gewand und Instrument immer wieder und sorgen für konzeptionelle Kohärenz. Die einzelnen Sätze entsprechen lose bestimmten Ideen aus den der oben erwähnte Fussnote zugrundeliegenden Schriften und haben demgemäss jeweils sehr eigenständige Charaktere. "The Revealing Science Of God" ist schon vom eröffnenden Sprechgesang an eine schillernde Tour-De-Force mit treibend-rockigen genauso wie sanft-melodischen Passagen. Toller Satzgesang, Rick Wakemans flirrender Moog saust um alle Ecken, virtuose Gitarren-Arbeit: was will man mehr? "The Remembering" lässt sich mehr Zeit mit schwellendem Mellotron, ruhigem Aufbau und akustischerem, pastoralerem Grundsound, hat aber zwischendrin auch durchaus einen kleinen rockigeren Workout. "The Ancient" ist der schrägste Satz: Steve Howe spindeldürre Gitarre übernimmt das Kommando, sirrt und flirrt minutenlang über exotischer, indisch und/oder südost-asiatisch angehauchter Percussion, bis das ganze schliesslich in einen wunderschönen sanften akustischen Teil mündet a la "Mood For A Day", zu dem Jon Andersons Gesang stösst: ein krasser, aber cooler Kontrast. In "Ritual" stehen Chris Squire und Alan White mit treibender Percussion und Bass mehr im Vordergrund als in den anderen Sätzen, und das Album endet hymnisch mit Andersons "Nous Sommes De Soleil". Die Hauptkritik an "Tales" ist meist, dass "Yes" versucht hätten, auf Biegen und Brechen ein Doppel-Album zu füllen und sich dadurch einiges an Füllmaterial eingeschmuggelt habe und das Album noch besser hätte werden können, wenn man es auf ein einzelnes Album gestutzt hätte. Dies kann ich nur teilweise bejahen: "The Remembering" zieht sich tatsächlich stellenweise länger, als unbedingt nötig wäre: ein paar Mellotron-Akkorde weniger hätten dem ganzen vielleicht gut getan. Aber alle anderen Sätze sind für mich keinen Takt zu lange und gut ausbalanciert und enthalten sowohl intelligente als auch einfach nur anrührende Musik auf höchstem instrumentalen und kompositorischem Niveau. |
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| Letzte Aktualisierung ( 27. Dezember 2006 ) |
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