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Jethro Tull - Living in the past PDF Drucken E-Mail
28. September 2006

 

 

 

 

 
Das vier Jahre nach dem ersten Album der Band eine Compilation mit dem Namen "Living In The Past" erschien, spricht sicherlich für Ian Anderson typischen, englischen Humor. Dabei versucht man hier gar nicht so sehr, sich auf vergangenen Lorbeeren auszuruhen. Viele der gesammelten Stücke waren vorher nur als Singles oder auf EPs erhältlich, finden sich also zum ersten Mal auf einem Longplayer. Dazu kommen einige "near hits" von vorigen Platten ("Song For Jeffrey" von "This Was", "Locomotive Breath" von "Aqualung", "Inside" von "Benefit). Die Original-Doppel-LP "Living In The Past enthielt noch vier weitere Stücke: "Bourée" ("Stand Up"), "Teacher" (?), "Alive and Well and Living In" ("Benefit"), "Hymn 43" ("Aqualung"). Für die ursprüngliche CD-Wiederveröffentlichung wurden diese weggelassen, um die Laufzeit aus technischen Gründen unter 70 Minuten zu drücken; inzwischen hat die Technik Fortschritte gemacht, und CDs von fast 80 Minuten sind keine Seltenheit mehr. Allerdings weiss ich nicht, ob inzwischen eine wieder erweiterte Neuauflage von "Living In The Past" erschienen ist.

Musikalisch bewegen sich die meisten der "neuen" Stücke im Rahmen der ersten vier "Tull"-Platten. Die Strukturen sind recht einfach, die Stücke entweder rockig und recht gitarrenlastig oder feine, ruhige akustische Nummern; ab und an findet sich auch Orchester-Arrangement von David Palmer. Insgesamt ist die Qualität der Stücke gut und fällt gegenüber den regulären Platten aus dieser Zeit keineswegs ab, so dass "Living In The Past" eigentlich ein Pflichtkauf für den "Tull"-Freund ist.

Der Titelsong gehört mit seinem fliessenden, prägnanten 5/4-Rhythmus zu den wenigen krummrhythmigen Nummern, die man auch abundan bei Radiosendern hören kann. "Christmas Song" könnte mit seiner sympathisch-naiven Kritik des Weihnachts-Ausverkaufs gut auf die zweite Seite von "Aqualung" passen.

Das jazzig swingende "Singing All Day" könnte auch von "Stand Up" sein, ebenso wie das bluesige "Driving Song". Die hier gebotene "Sweet Dream"-Version mit mit Orchester-Arrangement hat leider nicht so viel Power wie die vom späteren Live-Album "Bursting Out".

A propos "live": die dritte Seite der Doppel-LP gehörte zwei Live-Nummern, aufgenommen in der Carnegie Hall, ich glaube von 1970. "By King Permission Of" stellt John Evans Piano-Künste in der Vordergrund; ausführlich verbrät er Fantasie-artig klassische und Jazz-Motive (vielleicht bezieht sich darauf auch der Titel), teils mit Flötenunterstützung durch den Meister. "Dharma For One" ist eine energetisch, sehr druckvolle, neu arrangierte (Andersons Ansage dazu: "In other words: it's just a bit louder") Live-Version des Fetzers vom ersten Album und bildet das Sprungbrett für ein ausgedehntes Schlagzeugsolo Clive Bunkers.

Auch danach finden sich noch einige feine Nummern, wie z.B. "Wond'ring Again", eine erweiterte Fortsetzung des kurzen, akustischen "Wond'ring Aloud" von "Aqualung", diesmal mit der ganzen Band, die wirklich schöne Akustiknummer "Life Is A Long Song" mit der so typischen akustischen Gitarre von Anderson (geschrammelt, viele Vorhalte) oder das proggige Instrumental "For Later".

Wie gesagt: für Fans von "Jethro Tull" ist "Living In The Past" auf jeden Fall eine lohnende Investition, aber auch für jene, die mit deren früher Phase noch nicht so vertraut sind.

Mit freundlicher Genehmigung von Udo Gerhards und den babyblauen Seiten

 
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